|
Meinen Freund Z. hat es nun endgültig erwischt – er ist wahrhaftig komplett durchgeknallt! Wie es dazu kam? Lassen Sie mich etwas ausholen, um Ihnen über diese wirklich absolut verrückte Geschichte zu berichten. Alles fing an mit den Urlaubsplänen Herberts, eines gemeinsamen Bekannten von uns. Herbert, immer schon begeistert von der 'orientalischen Lebensart', wie er es nennt, plante, nun endlich zum ersten Male in seinem Leben, im Ausland Urlaub zu machen – und zwar in Ägypten. Wochenlang – was sage ich – monatelang erzählte er uns, Z. und mir, von seinen Urlaubsplänen. Endlich einmal in vollen Zügen das Leben genießen! Schwelgen in alter Kultur und essen und trinken wie ein Pharao! Der große Tag war endlich da und Herbert ging für die Dauer von langen drei Wochen auf die erste große Reise seines Lebens. Schon am vierten Tage erreichte uns ein Brief, beinhaltend ein Foto, das Herbert mit Turban und langem weißem Umhang auf einem Kamel sitzend, im Vordergrund der Pyramiden zeigte. Sie können sich unsere neidischen Blicke auf dieses Bild gewiss vorstellen. Weitere Briefe mit weiteren Bildern trafen ein und Z. und ich selbst beneideten unseren Bekannten immer mehr. Endlich der Tag der Rückkehr. Herbert saß auf seiner Wohnzimmercouch und erzählte und erzählte, bis uns am Ende tatsächlich schwindlig wurde. Er erzählte von der Lebensart der Orientalen, ihren Essgewohnheiten und ihrer sprichwörtlichen Ruhe. Als wir uns endlich verabschiedeten, kamen wir uns vor wie Gestalten aus 'Tausend und einer Nacht'. Ja, dies war schon in Kürze die Vorgeschichte zum endlichen und endgültigen geistigen Untergang meines Freundes Z. Heute sitzt Dieser tagein, tagaus auf seinem auf dem Boden des Wohnzimmers liegenden Kissen, vor sich eine Wasserpfeife und aus dem CD-Player rieselt orientalische Musik. Was aber meines Erachtens das Schlimmste an der ganzen Sache ist: Z. hat um seinen Kopf den Vorhang des Wohnzimmerfensters gewickelt und die weiße Tischdecke seines Esstischs hängt um seine Schultern... |